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Sommer 2005  

 

Raumstörungen

Allgemein gesehen tragen Störungen als Unterbrechungen oder Kurzschlüsse negative Bedeutungen. Störungen können und müssen jedoch für die Zukunft vielmehr als positive wechselseitige Interaktionen räumlicher, sozialer und ästhetischer Art begriffen, geplant und gestaltet werden. Die Kybernetik beschreibt Störungen wertfrei als jede Art äußerer und innerer Wirkungen auf dynamische Systeme. Diese Eigenschaften verwandeln Störungen somit in durchaus positive Einflußgrößen, Systeme aus dem Gleichgewicht zu bringen, sie zu aktivieren und über Rückkopplungseffekte, Veränderungen und Lernvorgänge in ständiger Entwicklung zu halten.

Philipp Oswalt verweist zurecht in "Berlin-Stadt ohne Forum" auf bestimmte künstlerische Strategien, wie die Multiperspektivität, Fragmentierung, Simultaneität und Multiplizität von Durchdringung, Überschneidung und Überlagerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
"Während sich die Planer bis heute um Ordnung und Homogenität bemühen und in ihrem ständigen Scheitern die Unordnung noch vermehren, hatten die bildenden Künste bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts diese Eigenart erfasst und sie in ihren Werken thematisiert. So zeigen Gemälde wie Ernst Ludwig Kirchners "Potsdamer Platz" (1914), George Grosz´ "Metropolis" (1916/17) oder "Deutschland, ein Wintermärchen" (1918) Berlin anhand dynamisierter, vielschichtiger städtischer Räume. Und in der Zeit zwischen Ende des Ersten Weltkriegs und Untergang des Kaiserreichs erfinden die Berliner Dadaisten die Fotocollage."

Unsere kulturelle Wirklichkeit wird heute durch ein vielfaches an Simultaneität und Multiplizität geprägt, beschleunigt durch die rasante Entwicklung der neuen Medien und Informationstechnologien. Dies müßte sich auch in neuen Gestaltungs- und Planungsstrategien niederschlagen.
Die Potentiale von Berlin liegen in der besonderen Heterogenität, in den vielen Störungen, die sich wechselseitig durchdringen.
Für den Soziologen Ulrich Beck beinhalten heterogene Strukturen besondere Qualitäten, wie Vielfalt, Differenz, unabschließbare Globalität, Zusammenhänge, Zusammenhalt, Bejahung von Ambivalenz, die sich gegenüber Trennung, Ab- und Eingrenzung, Verlangen nach Eindeutigkeit, Beherrschbarkeit, Sicherheit und Kontrolle innerhalb homogener Strukturen unterscheiden. Inwieweit eine dialektische Balance zwischen heterogenen und homogenen Strukturen, zwischen Störungen und stabilen Zuständen behutsam gefunden werden muß, ist sicherlich immer wieder neu zu bestimmen.
Das Entwurfsprojekt "Raumstörungen" will theoretische und gestalterische Grundlagen zu diesem Thema erarbeiten und auf dieser Grundlage exemplarische Raumstörungen an dafür prädestinierten städtebaulichen Orten Berlins planen und räumlich experimentell modellieren.




Leistungsnachweis:
Entwurf

Betreuung:
Prof. Dr. W. Scholz, Dr. G. Nest

Zeit/Ort:
Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Bühringstr. 20
mittwochs und donnerstags 11-16 Uhr, Raum 303

Anmeldung:
Liste vor Raum A 625

Scheine:
SE| 1.2

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